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Lippen-Gaumen-Spalten: Folsäureergänzung halbiert Risiko
Die perikonzeptionelle Folsäuresupplementierung schützt nicht nur vor Neuralrohrdefekten, sondern mindert auch das Risiko von Lippen- bzw. Lippen-Gaumen-Spalten. Das ergab eine Fall-Kontroll-Studie von Wissenschaftlern aus Nijmegen, Niederlande.
Lippen- und/oder Gaumen-Spalten gehören zu den häufigsten Fehlbildungen bei der Geburt und können schwerwiegende gesundheitliche, psychologische sowie soziale Folgen haben. Ihre Entstehung ist komplex. Die Gene scheinen eine Rolle zu spielen, aber auch Umweltfaktoren und die Ernährung stehen zunehmend unter Verdacht. So gibt es beispielsweise immer mehr Hinweise darauf, dass ein Mangel an Vitaminen in der frühen Phase der Schwangerschaft das Risiko erhöht. Das bestätigt nun auch eine Fall-Kontroll-Studie aus den Niederlanden speziell für das Vitamin Folsäure, dessen Mangel auch zum Entstehen eines Neuralrohrdefektes beitragen kann.
Die Wissenschaftler hatten retrospektiv 174 Frauen, deren Kinder mit einer Lippen- bzw. Lippen-Gaumen-Spalte auf die Welt gekommen waren, sowie 203 Mütter von Kindern ohne diese angeborene Fehlbildung umfassend anhand eines validierten Fragebogens zu ihrer Ernährung und Nahrungsergänzung vor und während der Schwangerschaft befragt. Nach ihrer Auswertung konnte die Einnahme eines Folsäurepräparates im Zeitraum vier Wochen vor bis acht Wochen nach der Konzeption das Risiko der Missbildung um 47 Prozent senken. Am ausgeprägtesten war die Risikoreduktion, wenn sich die Frauen zudem folsäurereich ernährten. Damit könnte die ausreichende perikonzeptionelle Folsäurezufuhr bezüglich der Lippen- und/oder Gaumen-Spalten ähnlich schützend wirken wie bezüglich des Neuralrohrdefektes.
(BSMO)
Quellen:
Nach Informationen der Fachzeitschrift Preventive Medicine, 2004
Restless-Legs-Syndrom: Helfen Supplemente?
Schwangere haben gegenüber der Allgemeinbevölkerung ein 2-3fach höheres Risiko, ein Restless-Legs-Syndrom zu entwickeln. Entsprechend einer Literaturübersicht, die eine italienische Arbeitsgruppe erstellt hat, sind die Ursachen noch unklar. Ein Eisen- und Folsäuremangel könnte eine Rolle spielen.
Das "Restless Legs Syndrom" (RLS) gehört zu den häufigsten neurologischen Krankheitsbildern. Die Symptome der Erkrankung sind Missempfindungen in den Beinen, seltener auch in den Armen, die von Patienten als. Kribbeln, Ziehen, Reißen, Stechen bis hin zu quälenden Schmerzen beschrieben werden. Die Beschwerden treten fast ausschließlich in Ruhesituationen, besonders stark abends vor dem Einschlafen auf.
Die Prävalenz des Restless-Legs-Syndroms (RLS) liegt nach neueren epidemiologischen Studien bei Schwangeren zwischen 11 und 27 Prozent. In der Regel erreicht diese benigne Form des RLS im dritten Trimester ihren Höhepunkt und verschwindet um die Geburt herum wieder. Sind Frauen bereits vor der Konzeption betroffen, verschlechtern sich ihre Symptome während einer Schwangerschaft häufig. Zu den Ursachen gibt es nach Angaben der Autoren aus Ferrara, Italien, mehrere Hypothesen. Diskutiert werden hormonelle Einflüsse, motorische Veränderungen, psychische Ursachen und metabolische Umstellungen. Bei letzteren stehen vor allem der Folsäure- und Eisenmangel im Vordergrund, von denen bekannt ist, dass sie mit RLS korrelieren.
Demnach könnte eine entsprechende Nahrungsergänzung von Nutzen sein. So zitieren die Neurologen und Gynäkologen beispielsweise ein Studie, in der die RLS-Prävalenz bei Schwangeren nur 9% betrug, wenn diese Folsäure supplementierten. Verzichteten die Frauen hingegen auf die Nahrungsergänzung, lag der Anteil mit RLS immerhin bei 80%. Zusammenfassend bewerten die Autoren die Bedeutung der Folsäure- und Eisensupplementierung in diesem Zusammenhang allerdings noch als unklar. Sie fordern Gynäkologen auf, das häufig verkannte Restless-Legs-Syndrom stärker zu berücksichtigen, und Schwangere, die sich über die Symptome oft Sorgen machen, besser aufzuklären.
(BSMO)
Quellen:
Nach Informationen der Fachzeitschrift Sleep Medicine, 2004
Kurze Geburtenintervalle erhöhen Schizophrenie-Risiko
Folgen bei einer Frau Schwangerschaften sehr schnell aufeinander, ist es besonders wichtig, auf ausreichende Folsäurezufuhr zu achten. Dieser Schluss lässt sich aus einer großen populationsbasierten Kohortenstudie aus Dänemark ziehen. Die Forscher fanden heraus: Liegt bei einer Frau zwischen zwei Geburten nur ein kurzer Abstand, so hat ihr zweites Kind ein erhöhtes Risiko, an einer Schizophrenie zu erkranken. Und Folsäuremangel der werdenden Mutter in der frühen Schwangerschaft wird als mögliche Ursache für ein erhöhtes Schizophrenie-Risiko des Kindes angesehen.
Folsäuremangel einer werdenden Mutter in der frühen Schwangerschaft wird als mögliche Ursache für ein erhöhtes Schizophrenie-Risiko des Kindes angesehen. Da die postpartale Regeneration der Folatspeicher etwa ein Jahr dauert, hat eine Arbeitsgruppe aus Dänemark untersucht, ob ein Zweitgeborenes ein erhöhtes Erkrankungsrisiko hat, wenn es relativ kurz nach der Geburt des erstgeborenen Kindes gezeugt wird.
Die Kohortenstudie basiert auf den Daten von 1,43 Millionen Dänen, unter denen mithilfe eines dänischen Registers für psychiatrische Fälle 5.095 Schizophrenie-Patienten sowie deren Geschwister und Eltern ermittelt wurden. In einer statistischen Analyse kalkulierten die Autoren das relative Risiko der Zweitgeborenen in Abhängigkeit vom Abstand zwischen den beiden Geburten. Als Bezugsgröße diente jeweils ein Abstand von 45 Monaten oder mehr. Die Autoren unterschieden vier Kategorien: bis zu 15 Monate, 15-17 Monate, 18-20 Monate sowie 21-26 Monate. Die korrespondierenden relativen Risiken der Schizophrenie lagen zwischen 1,14 und 1,38. Mögliche Störfaktoren, wie Alter, Geschlecht, Ort der Geburt u.a., hatten keinen bedeutenden Einfluss.
Die Arbeitsgruppe weist darauf hin, dass ihre Studie zwar eine Assoziation belegt hat, hierbei jedoch auch andere Faktoren als der Folsäuremangel eine Rolle spielen könnten, beispielsweise Stress der Mutter während der Schwangerschaft oder Infektionen in der Kindheit.
(BSMO)
Quellen:
Nach Informationen der Fachzeitschrift Schizophrenia Research
Folsäure ins Mehl?
In den USA und anderen Ländern ist er bereits üblich, in Deutschland könnte er demnächst kommen: der gesetzlich geregelte Zusatz von Vitaminen oder Spurenelementen zu Grundnahrungsmitteln. Denn immer noch ist ein Großteil der Bevölkerung nicht ausreichend mit Folsäure versorgt.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, täglich 400 Mikrogramm Folsäure (Frauen mit Kinderwunsch: 600 Mikrogramm) zu sich zu nehmen, doch etwa zwei Drittel der erwachsenen Frauen und Männer kommen nicht einmal auf 300 Mikrogramm pro Tag. Besonders gefährlich ist diese Unterversorgung bei Frauen im gebärfähigen Alter: Werden sie schwanger, besteht ein erhöhtes Risiko, dass das Kind mit einem Neuralrohrdefekt geboren wird, dem so genannten „offenen Rücken“. Daher lässt das Bundesverbraucherministerium derzeit prüfen, wie sich ein Folsäure-Zusatz in Grundnahrungsmitteln auswirken würde.
Denn die Aufnahme von Folsäure sollte wiederum 1.000 Mikrogramm am Tag nicht überschreiten, da in diesem Fall ein bestehender Vitamin-B12-Mangel nur schlecht zu erkennen ist. Insbesondere ältere Menschen wären hiervon gefährdet, weil sie häufiger von dem Mangel betroffen und irreversible Schäden möglich sind.
Wie eine Modellrechnung des Robert Koch-Instituts (RKI) jetzt ergab, könnte durch eine Anreicherung von Mehl mit Folsäure die Versorgung verbessert werden, ohne dass mit einer Überschreitung der Höchstmenge bei einem wesentlichen Bevölkerungsanteil zu rechnen ist. Das Risiko ließe sich laut RKI allerdings noch weiter minimieren, wenn dem Mehl außerdem Vitamin B12 zugesetzt werden würde.
(BSMO)
Quellen:
Nach Informationen des Robert Koch-Instituts, 2004
Neuralrohrdefekte durch Autoimmunreaktion?
Eine ausreichende Versorgung mit Folsäure gerade in den ersten Schwangerschaftswochen beugt späteren Neuralrohrdefekten (NRD) beim Kind vor. Eine US-amerikanische Studie hat jetzt Hinweise auf eine Rolle autoimmuner Antikörper gegen Folatrezeptoren der Plazenta bei Frauen mit einer NRD-Vorgeschichte entdeckt.
An der Studie nahmen zwölf Frauen teil, die zum Zeitpunkt der Untersuchung oder zuvor mit einem Kind schwanger gewesen waren, das einen Neuralrohrdefekt hatte. Als Kontrolle dienten 24 Frauen (darunter 20 mit normalem Schwangerschaftsverlauf und vier Frauen, die noch nie schwanger waren). Den Frauen wurden Serum-Proben entnommen und auf die Anwesenheit von Antikörpern untersucht, die sich gegen Folatrezeptoren der eigenen Plazenta richten.
Tatsächlich fanden sich bei neun der zwölf Frauen mit NRD-Vorgeschichte autoimmune Antikörper gegen Folatrezeptoren, deutlich mehr als in der Kontrollgruppe.
Solche Autoantikörper scheinen also regelmäßig bei Frauen vorzukommen, bei deren Kindern ein Neuralrohrdefekt auftritt. Ob sie allerdings wirklich die Ursache des Defekts sind, bleibt vorerst offen. Laborexperimente mit Zellkulturen zeigten jedenfalls, dass die Antikörper die Aufnahme von Folsäure in die Zellen einer Linie mit Folatrezeptoren tatsächlich behindern.
(BSMO)
Quellen:
Nach Informationen von Obstet Gynecol Surv. 2004 Jun;59(6):410-411.
Jodmangel in der Milch rauchender Mütter
Die Brustmilch von Müttern, die rauchen, enthält nur halb so viel lebenswichtiges Jod wie die von Nichtraucherinnen. Das ergab eine dänische Studie, die einmal mehr die Risiken des Rauchens für den Nachwuchs bestätigt.
Eine ausreichende Versorgung des Kindes mit Jod währen der Schwangerschaft und den ersten Lebensjahren ist Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung des Gehirns. Während der Stillzeit ist das Kind dabei auf die Muttermilch als alleinigen Jodlieferanten angewiesen. Die Studie verglich den Jodgehalt der Brustmilch von 50 Raucherinnen und 90 Nichtraucherinnen. Die Einteilung geschah dabei nicht auf der Basis von Angaben der Frauen, sondern auf der eines Nachweises von Cotinin in Urin und Serum der Mütter.
Während sämtliche Frauen im Urin ähnlich hohe Jodkonzentrationen aufwiesen, enthielt die Muttermilch der Raucherinnen mit durchschnittlich 26 Mikrogramm pro Liter nicht einmal halb so viel Jod, wie die der Nichtraucherinnen. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass das Rauchen während der Schwangerschaft das Risiko einer durch Jodmangel bedingten Hirnschädigung erheblich steigert. Ihr Rat: Nicht rauchen, oder wenn das nicht möglich ist, wenigstens für eine hohe Zufuhr von Jod sorgen!
(BSMO)
Quellen:
Nach Informationen des J Clin Endocrinol Metab. 2004 Jan;89(1):181-7
Folsäure Supplementierung bei schwangeren Epileptikerinnen
Frauen, die unter Epilepsie leiden und Antikonvulsiva einnehmen, können den dadurch bedingten Folsäuremangel durch Supplementierung ausgleichen. Dies zeigte eine US-amerikanische Studie. Jedoch sinkt die Compliance nach der Geburt deutlich.
Antikonvulsiva während der Schwangerschaft erhöhen das Risiko für Geburtsdefekte. Antiepileptika wie Phenytoin, Carbamazepin oder Valproinsäure reduzieren den Folsäurespiegel im Blut. Daher ist eine Supplementierung mit Folsäure bei diesen Frauen vor und während der Schwangerschaft besonders wichtig. Eine Studie der Universität von Iowa, USA, analysierte den Folsäuregehalt von Schwangeren mit bzw. ohne Epilepsie.
Zehn Schwangere mit Epilepsie, die Antikonvulsiva einnahmen, und 15 ansonsten gesunde Schwangere nahmen an der Studie teil. Der Folsäuregehalt in ihrem Blut wurde in regelmäßigen Abständen während der Schwangerschaft und vier bzw. sechs Monate postpartum untersucht. Alle Kinder kamen gesund zur Welt.
Im Durchschnitt war der Folat-Spiegel in den roten Blutkörperchen während der Schwangerschaft bei den Epileptikerinnen höher als bei den Frauen aus der Kontrollgruppe. Nach der Entbindung sanken die Werte jedoch stark ab. Die Ursache sehen die Autoren in der schlechteren Compliance. Da dies aber Folgen für weitere Schwangerschaften haben kann, weisen sie auf die Bedeutung der Folsäure-Supplementierung hin. Gerade Epileptikerinnen sollten auch nach der Geburt weiter Folsäure nehmen.
(BSMO)
Quellen:
Nach Informationen des American journal of obstetrics and gynecology
Eisen, Magnesium und Niacin beugen Spina bifida vor
Eine geringe Aufnahme von pflanzlichen Proteinen, Eisen, Magnesium und Niacin ist mit einem zwei- bis fünffach erhöhten Risiko für Spina bifida assoziiert. Zu diesem Ergebnis kommen die niederländischen Autoren einer Studie, die sich mit dem Einfluss verschiedener Nahrungsmittelbestandteile auf die Entwicklung einer Spina bifida befasste.
Die Rolle von Folsäure in der Ätiologie der Spina bifida ist wissenschaftlich belegt. Auch genetische Faktoren können eine wichtige Rolle spielen. Ob aber auch andere Nahrungsbestandteile die Entstehung einer Spina bifida beeinflussen können, dazu lagen bislang nur wenige Daten vor. Dieser Frage sind niederländische Forscher nun auf den Grund gegangen.
An der Studie nahmen 106 Frauen, deren Kinder unter Spina bifida litten, und 181 Mütter, deren Kinder ohne diesen Geburtsdefekt zur Welt kamen, teil. Die Forscher analysierten Daten über die Ernährungsgewohnheiten der Frauen. Dabei zeigte sich, dass Frauen, die ein Kind mit einer Spina bifida hatten, vergleichsweise weniger pflanzliche Proteine (7%), Polysaccharide (4%), Ballaststoffe (7%), Eisen (6%), Magnesium (6%) und Niacin (4%) zu sich nahmen. Das Risiko für die Entwicklung einer Spina bifida stieg um das zwei- bis fünffache an.
Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass neben einer ausreichenden Folsäurezufuhr auch eine ausreichende Versorgung mit Eisen, Magnesium und Niacin bei Frauen mit einem bestehenden Kinderwunsch zu empfehlen ist.
(BSMO)
Quellen:
Nach Informationen des Journal of Nutrition
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