Folsäure
Nahrung enthält nicht ausreichend Folsäure für Schwangere
In Deutschland werden jedes Jahr schätzungsweise 470 bis 800 Kinder mit Neuralrohrdefekten geboren. Die Ursache ist eine Unterversorgung der werdenden Mutter mit Folsäure in den ersten Schwangerschaftswochen. Eine Studie belegt, dass dieser Mangel bei vielen Schwangeren besteht. Daher sollte das Vitamin vor und während der Schwangerschaft supplementiert werden.

Der Bedarf an Folsäure (Vitamin B9) steigt während der Schwangerschaft um 50%. Während eine Frau nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) normalerweise täglich 400 µg Folsäure zu sich nehmen sollte, erhöht sich der Bedarf bei einer Schwangeren demnach auf 600 µg pro Tag (s. auch Schwangerenernährung). Tritt ein Folsäure-Mangel ein, erhöht sich das Risiko von Fehlbildungen wie Neuralrohrdefekten oder Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten. Des Weiteren können Frühgeburtlichkeit, geringes Geburtsgewicht und fetale Entwicklungsverzögerungen die Folge sein.

Folatreiche Lebensmittel konsumieren

Da die Folsäure insbesondere in den ersten vier Wochen der Schwangerschaft eine wichtige Rolle spielt, die Schwangerschaft aber häufig in den ersten Tagen bis Wochen nicht bekannt ist, gelten alle Empfehlungen für die Folsäure-Aufnahme nicht nur für Schwangere (besonders im ersten Trimester), sondern auch für Frauen, die eine Schwangerschaft planen. Die DGE rät in beiden Fällen, regelmäßig Lebensmittel mit hohem Folsäure-Gehalt zu essen, wie:
  • Weizenkeime
  • Sojabohnen
  • Tomaten
  • dunkelgrüne Gemüse (z.B. Spinat, Brokkoli)
  • Obst
  • Vollkornprodukte
Da Folsäure zusammen mit dem in tierischen Lebensmitteln enthaltenen Vitamin B12 (Cobalamin) wirkt, sollten sich Schwangere möglichst nicht vegetarisch ernähren, sondern Fisch, Fleisch, Geflügel, Milch, Ei und Käse zu sich nehmen. Außerdem sollte das Essen schonend zubereitet werden, da Folsäure hitze- und lichtempfindlich ist.

Studie belegt Folsäure-Unterversorgung

Nach den Ergebnissen des BabyCare-Programms gelingt es allerdings praktisch keiner Schwangeren, die empfohlene Menge von täglich 600 µg Folsäure über die Ernährung aufzunehmen: 70% der Teilnehmerinnen nahmen weniger als die Hälfte des geforderten Wertes zu sich. Selbst wenn bei der Analyse die Supplementierung berücksichtigt wurde, ergab sich noch bei 23% der Schwangeren eine Unterversorgung. Denn Folsäure wird zwar am häufigsten von allen Mikronährstoffen supplementiert, doch diese Nahrungsergänzung beginnt nach den Resultaten von BabyCare häufig zu spät.

DGE empfiehlt Folsäure-Supplementierung

Da die Abdeckung des Folsäurebedarfs über Lebensmittel demnach schwierig ist, empfiehlt die DGE allen Frauen, die schwanger sind oder schwanger werden wollen, zusätzlich zur folatreichen Ernährung eine Folsäuresupplementierung von 400 µg pro Tag (s. auch Supplemente). Die Supplementierung sollte mindestens vier Wochen vor der Konzeption und während des ersten Drittels der Schwangerschaft erfolgen. Frauen, die bereits ein Kind mit Neuralrohrdefekt haben, sollten bei erneutem Kinderwunsch die Dosis verzehnfachen und bereits vor der Konzeption 4 mg Folsäure pro Tag supplementieren.

Wie Studien ergaben haben, lässt sich durch eine derartig, frühzeitige und gezielte Nahrungsergänzung mit Folsäure das Risiko eines Neuralrohrdefektes um mehr als 50% senken.

Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Ernährung; DACH: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 1. Auflage 2001, Umschau Braus Verlag.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Folsäure und Schwangerschaft. 2002; online: www.dge.de

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Schwangerschaft und Stillzeit - Empfehlungen für die Ernährung von Mutter und Kind. 2002, AID Infodienst, Bonn.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Das Ungeborene isst mit - Tipps für Schwangere. 1999; online: www.dge.de

Kaiser LL, Allen L; American Dietetic Association: Position of the American Dietetic Association: nutrition and lifestyle for a healthy pregnancy outcome. J Am Diet Assoc. 2002;102(10):1479-90.

Kirschner W, et al: Versorgung mit Mikronährstoffen - Befunde und Konsequenzen. Geburtsh Frauenheilk. 2003;63:947-8.
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